Eine aktuelle Privatkonto-Studie zeigt: während sich das Dienstleistungsangebot bei allen Schweizer Banken ähnelt, variieren die Kosten enorm. Einige Anbieter locken mit «Gratis-Konten», bei anderen fallen Hunderte von Franken an.
Das Privatkonto gehört zum Alltag: Löhne und Renten werden auf das Privatkonto überwiesen. Zudem ist es möglich, Rechnungen über das Privatkonto zu bezahlen. Mit der Debitkarte zum Privatkonto bezahlen Konsumentinnen und Konsumenten ihre Einkäufe und beziehen am Bancomaten Bargeld. Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat deshalb im Rahmen einer Studie Schweizer Privatkonten inklusive Zahlungsverkehr und Debitkarten analysiert. Insgesamt hat moneyland.ch 34 verschiedene Schweizer Banken untersucht und dabei sowohl bekannte, national tätige Institute und Smartphone-Banken als auch regionale Anbieter berücksichtigt. Die Studie zeigt, wie sich die Privatkonten unterscheiden und welche Kosten anfallen.
Wo unterscheiden sich Schweizer Privatkonten?
Alle Privatkonten bieten das Empfangen von Überweisungen, das Bezahlen von Rechnungen sowie eine Debitkarte zum Bezahlen und für Bargeldbezüge an. Nur ganz wenige Anbieter bieten keine eBill und keine bankeigene Twint-App an.
Je nach persönlichen Bedürfnissen können weitere Aspekte relevant sein. So funktionieren E-Banking und Apps bei jeder Bank anders. Auch unterscheiden sich die Erwartungen an den Kundendienst sowie die Standorte von Filialen und Bancomaten der Hausbank. Diese individuellen Aspekte werden in der Studie nicht berücksichtigt.
Instant Payment erst bei wenigen Schweizer Banken möglich
Die Ausnahme ist Instant Payment: Rund zwei Drittel der Anbieter bieten den Kundinnen und Kunden diese Dienstleistung für ausgehende Überweisungen nicht an. Lediglich elf der 34 Anbieter ermöglichen es, Geld in Sekunden auf ein Konto bei einer anderen Schweizer Bank zu überweisen. Ankommende Zahlungen sind hingegen möglich, da die meisten Schweizer Banken verpflichtet sind, solche Zahlungen sofort gutzuschreiben. Immerhin ermöglichen Alpian, Neon und Zak schnelle Überweisungen, wenn Sender und Empfänger das Konto beim gleichen Anbieter haben.
Wie teuer sind Schweizer Privatkonten?
Die Kosten eines Privatkontos hängen auch von der Nutzung ab. Für die Studie hat moneyland.ch zwei Profile erstellt:
● Bargeldlos: Die Einkäufe werden konsequent mit der Debitkarte bezahlt.
● Bargeld: Die Einkäufe werden mit am Bancomaten bezogenem Bargeld bezahlt.
Für beide Profile gelten die gleichen Annahmen: Die Kundinnen und Kunden bezahlen ihre Rechnungen über E-Banking (monatlich zehn Überweisungen), verzichten auf die Zustellung von Kontoauszügen per Post und verfügen über ein durchschnittliches Guthaben von 8000 Franken bei der jeweiligen Bank.
Die Kosten wurden für beide Profile jeweils in zwei Varianten berechnet: einmal für die ausschliessliche Nutzung in der Schweiz sowie einmal für die kombinierte Nutzung in der Schweiz und im Ausland.
So viel bezahlt der «Kartenzahler» für die Nutzung in der Schweiz
Bei 14 Anbietern betragen die Gesamtkosten des günstigsten Angebots 0 Franken: Bank Avera, Bank WIR, Migros Bank, Swissquote, UBS Key 4 und Valiant, mehrere Kantonalbanken (Aargauische, Basler, Berner und Zürcher) sowie die Smartphone-Banken Alpian, Neon, Yuh und Zak.
Die Erklärung: Manche Banken bieten inzwischen ein sogenanntes Gratis-Konto an, einige davon verzichten neben der Grundgebühr für das Konto auch auf die Grundgebühr für die Debitkarte. «Noch vor kurzem gab es Gratis-Konten nur bei ganz wenigen Anbietern. Inzwischen hat sich das geändert: Nach dem Vorpreschen der Zürcher Kantonalbank sind weitere Banken nachgezogen, etwa UBS Key 4 und Valiant», sagt Ralf Beyeler von moneyland.ch. Er fährt fort: «Ein Grund für die Offensive dürfte die Konkurrenz durch Revolut und weitere Smartphone-Banken sein.»
Bei den meisten Banken hingegen fallen weiterhin Grundgebühren an. Der Profilkunde bezahlt bei Raiffeisen 48 Franken im Jahr, bei der Postfinance 60 Franken. Die UBS liegt mit 144 Franken auf dem letzten Platz.
So viel bezahlt der «Kartenzahler» für die Nutzung in der Schweiz und im Ausland
Unter Berücksichtigung der Gebühren für Kartenzahlungen im Ausland betragen die Gesamtkosten des günstigsten Angebots bei acht Banken 0 Franken: bei der Bank WIR, der Berner Kantonalbank, Swissquote und Valiant sowie die Smartphone-Banken Alpian, Neon, Yuh und Zak. Bei anderen Banken sind die Kosten höher: Bei der Zürcher Kantonalbank sind es jährlich 37.50 Franken, bei der Migros Bank 52.50 Franken. Mehr als 100 Franken Gesamtkosten pro Jahr entstehen bei Raiffeisen und Postfinance.
Auffällig ist, dass nur zwölf Banken beim Bezahlen von Einkäufen mit der Debitkarte auf eine Auslandsgebühr verzichten. Die übrigen Banken verlangen eine Bearbeitungsgebühr, die typischerweise rund 1.50 Franken oder 1% bis 2% des Einkaufsbetrags beträgt. Ralf Beyeler empfiehlt: «Achten Sie darauf, dass Sie beim Bezahlen im Ausland eine Karte nutzen, mit der keine Auslandsgebühren verrechnet werden. Zudem sollte die Karte einen guten Kurs bieten.»
Für diese Studie hat moneyland.ch mangels vorhandener Daten die Kosten für den Wechselkurs-Aufpreis nicht berücksichtigt. Dieser kann je nach Bank durchaus 2% und mehr betragen, wie eine kürzlich veröffentlichte Analyse zeigt.
So viel bezahlt der «Bargeldzahler» für die Nutzung in der Schweiz
Bei der Bank Avera betragen die Gesamtkosten für den «Bargeldzahler» 0 Franken. Am zweitgünstigsten ist die Smartphone-Bank Yuh mit jährlich 15.20 Franken. Auf dem dritten Platz folgen die Westschweizer Regionalbank Caisse d'Epargne d'Aubonne und die Sparkasse Schwyz mit 30 Franken. «Auffällig ist, dass sich fast alle Regionalbanken in der oberen Tabellenhälfte befinden», sagt Ralf Beyeler. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Regionalbanken zwar eine Jahresgebühr für Konto oder Karte verlangen, aber darauf verzichten, jeden einzelnen Bargeldbezug separat zu belasten.
Die bekannten Banken sind teurer: UBS Key 4 verlangt jährlich 36 Franken, Valiant 48 Franken und Raiffeisen 84 Franken. Postfinance schlägt mit 120 Franken zu Buche. Auf dem letzten Platz liegt auch bei diesem Profil die UBS mit 180 Franken. Für die Berechnungen wurden 60 Bargeldbezüge pro Jahr angenommen, davon – sofern möglich – die Hälfte an Bancomaten der Hausbank.
So viel bezahlt der «Bargeldzahler» für die Nutzung in der Schweiz und im Ausland
Unter Berücksichtigung der Gebühren für zwölf Bargeldbezüge an ausländischen Bancomaten ist Valiant mit Gesamtkosten von jährlich 48 Franken am günstigsten. Auf dem zweiten Platz folgt die Bank Avera mit 60 Franken und Yuh mit 74 Franken. UBS Key 4 verlangt 96 Franken. Je 120 Franken Gesamtkosten fallen bei der Migros Bank, Postfinance und der Zürcher Kantonalbank an. Das Schlusslicht bildet die UBS mit 240 Franken.
Welche Kantonalbanken sind am günstigsten?
In 24 der 26 Schweizer Kantone gibt es eine Kantonalbank. Bei der Analyse zeigen sich grosse Unterschiede bei den Gesamtkosten zwischen den Kantonen: Die Kantonalbanken aus Basel-Stadt, Zürich, Aargau und Bern sind am günstigsten. Die beiden Schlusslichter sind in allen vier Berechnungen die Banken aus den Kantonen Basel-Landschaft und Genf.
Die Differenz zwischen der günstigsten und der teuersten Kantonalbank beträgt je nach Berechnung zwischen 100 und 135.50 Franken.
Methodik
Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat für die Studie ausschliesslich Privatkonten inklusive Zahlungsverkehr und Debitkarte von Schweizer Banken berücksichtigt. Andere Bankprodukte wie Sparkonten, Vorsorgekonten und Kreditkarten sind nicht Bestandteil der Studie.